bei Würzburg abgeleitet wurde ist schon öfters von unseren Landsleuten gestellt worden. Auf den ersten Blick muss man diese Frage verneinen und die verschiedenen Schreibweisen als Fortschreibungsfehler betrachten, wie dies auch bei Personennamen oft vorkam.
Unser Landsmann Michael Kettenstock hat aber dennoch nachgeforscht, besuchte einige Male den Ort Wiesentheid und bekam schließlich über die Gemeindeverwaltung Kontakt mit Dr. Josef Eugen Held, Landrat a.D. und
Domänendirektor a.D. von Wiesentheid.
Anlässlich der 300-Jahrfeier 1981, (Wiesentheid wurde am 17.08.1681 reichsunmittelbares Territorium) schrieb Dr. Held ein Büchlein mit dem Titel: „Das Haus Schönborn
und der Markt Wiesentheid“. Nach dem Studium dieser Familiengeschichte des Hauses Schönborn, deren Angehörige in der Zeit von 1642 bis 1756, also in der Periode zwischen den großen Kriegen – Dreißigjähriger uund
Siebenjähriger Krieg – hohe und einflussreiche Stellungen im Reich und zugleich in der Kirche innehatten, Michael Kettenstock glaubte doch einige Verbindungen zwischen Wiesentheid und Wiesenhaid zu erkennen. Dies aus
folgenden Erkenntnissen:
Die Kurfürsten-Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier nahmen seinerzeit den höchsten Rang unter den Reichsfürsten ein und genossen höchstes Ansehen und besaßen größten Einfluss. Franz Georg von
Schönborn (1682-1756) war von 1729 an Kurfürst-Erzbischof von Trier, ab 1732 auch Fürstbischof von Worms und Fürstprobst von Ellwangen. Seine Macht strahlte weit in das rheinpfälzische und lothringische Gebiet, wo die
Schönborns große Güter, meist Weinbau, hatten.
Marquardt Wilhelm von Schönborn (1683-1770), ein Bruder von Franz Georg, war lange Zeit hindurch Mitglied oder Domprobst in der Domkapitel Trier, Speyer, Eichstätt und
Bamberg.
In den Erbfolgekriegen jener Zeit mit ständigen Unruhen und Einfällen der Franzosen, wobei Plünderungen und Zerstörungen dem Volke und der Herrschaft Ärger und Armut brachten, haben die Schönborns einen Teil
ihrer Güter in diesen Gebieten abgestoßen; teils noch günstig vor der Säkularisierung.
Es lag daher auch nahe, dass man im Zeichen der Anwerbung für das Volk, die Untertanen leichter ziehen ließ. Dazu kam, dass die
Schönborns verstärkt ihre Besitzungen in Böhmen ausbauten und neue, wieder Weingüter, in Ungarn anlegten.
Hier muss man doch den roten Faden erkennen, zumal wir den Matrikeln einige Hinweise über die Herkunft der
Siedler wie „ex Gallia; ex Lothringia; Trier; Franconus“ u.ä entnehmen können. So deuten auch die Namen, „Bernhard; Shambré oder Schambré; Remi ggf. auch Wodre“ auf französisch-lothringische Herkunft.
Bei einigen
Familien finden sich die Herkunftsorte Würzburg bzw. Bamberg. Die Auskunft hierüber war in beiden Fällen negativ.
Weder 1751 noch 1761, in welchen Jahren die gesuchten Personen dort geboren sein sollten, gab es diese
Familiennamen im Matrikelbereich. Diese Auskünfte lassen vermuten, dass es sich bei den angegebenen Wohn- und Herkunftsorten nur um Zwischenstationen, etwa über einen Winter, handeln könnte. Eine Art Etappe auf dem Weg
von Lothringen nach Ungarn, mit Stammsitz der fürstbischöflichen Familien der Schönborns in Wiesentheid. Hier lagen die Hauptdomäne und Weingüter der Familie Schönborn.
Wenn obige Hypothese stimmt, könnten die
besagten Familien etwa im Frühjahr 1771, oder auch schon 1770, über Wien nach Ungarn gezogen sein. Möglicherweise in der Absicht, auf den Schönbornschen Gütern wieder Arbeit und Brot zu finden.
Bewiesen ist, dass rund
zwanzig Familien diesen Weg gegangen waren und möglicherweise, aus Dankbarkeit für das Winterquartier bei der Herrschaft der v. Schönborn in Wiesentheid/Franken den Namen mit in das Banat brachten. Bewiesen ist auch,
dass diese zwanzig Familien, 1771, zu den 100 Ansiedlerfamilien von Wiesenhaid gehörten.
Das große Umland von Vermutungen, Zufällen und Tatsachen aufzuhellen, wäre eine Fleißaufgabe für einen echten Forscher.
Im
Wandel der Zeit und bedingt durch die staatspolitischen Gegebenheiten hat sich der Name unseres Heimatortes wie folgt geändert:
Seit Anbeginn: Wiesenhaid, habsburgerisch = amtliche Benennung;
Nach 1848: Réthát, freie Übersetzung von „Wiese“ und „Heide“ in die ungarische Sprache;
Nach 1919: Wiesenhaid. Im Königreich Rumänien
Nach 1944/45: Tisa-Nouá, eine rumänische Bezeichnung, die, frei übersetzt, Neutisa bedeutet.
Nach Angaben von Wissensträgern wurde der Name mit den ersten rumänischen Kolonisten begründet, die 1945/1946 aus der rumänischen Gemeinde TISA, im Komitat Bihor, kamen und demnach ihre neue Heimat NEUTISA
= Tisa-Nouá nannten; sicherlich mit der Zustimmung der Partei und der staatlichen Verwaltung